Ein gefaktes Wochenende #ajt17

Von 21. bis 23. Juli 2017 war ich wieder einmal in Anif. Die (meine) FH Wien der WKW veranstaltete in Kooperation mit der Tabakfirma JTI Austria die 4. Anifer Journalismustage. Diesmal zum Thema: „Journalistische Glaubwürdigkeit zwischen alternativen Fakten und Fake News“

https://twitter.com/dmnkltnr/status/888318725031694336

Alles Fake!

Das Thema lag eigentlich wunderbar auf der Hand, aber in Wahrheit beinhaltet der Titel inkl. Untertitel mindestens drei Themen. Man könnte jeweils drei Tage über „Journalistische Glaubwürdigkeit“, über „Fake News“ und über „Alles Lüge?“ (Lügenpresse) diskutieren.

Eingeladen wurden dafür einerseits Hans-Jörg Vehlewald (Chefreporter Politik der BILD Zeitung) für die Keynote und andererseits die beiden jungen JournalistInnen Alexandra Rojkov (freie Journalistin) und Patrick Swanson (Leiter des „Zeit im Bild“-Social Media Teams für die Leitung des Workshops.

Das Wichtigste war, bereits von Anfang an klarzustellen, dass wir Fake News erst einmal richtig definieren müssen: Denn eine Falschmeldung, ein journalistischer Fehler, ist nicht Fake News. Da geht es um bewusstes Verdrehen von Tatsachen, falscher Interpretation oder vollkommen falschen Inhalten.  Der Tweet von Spangenberg zeigt die 7 Typen – wer sie auf Deutsch lesen möchte: hier entlang.

Mein Zugang: Alles übertrieben

Ich war ja fast so etwas wie ein Rebell: Ich fand, dass die Angst vor dem Verlust der Glaubwürdigkeit maßlos übertrieben … und auch der Kampf gegen richtige Fake News deutlich übertrieben sei. Wenn man nach gelernter journalistischer Ethik, nach bestem Wissen und Gewissen arbeitet und auch transparent seine Recherchewege sichtbar macht, braucht sich um die Glaubwürdigkeit meiner Meinung nach keine Sorgen mehr machen. Und Menschen, die Fake News verbreiten, also wirkliche Fake News, die kann man nicht mit „Real News“ bekehren – die posten solche Dinge, so denke ich, obwohl sie selber wissen, dass sie so nicht stimmen können. Aber diese „Nachrichten“ machen Stimmung, und genau das ist es, was sie wollen.

Zugegeben: Auch nach drei Tagen Diskussion bin ich nicht umgestimmt worden: Aber die Diskussion mir Rojkov, Swanson und uns fünfzehn TeilnehmerInnen hat mich wieder einmal mehr als angeregt. Nach so einem Wochenende fahre ich immer mit ganz viel Ideen und Gedanken im Kopf nach Hause und muss diese erst ordnen. Und manchmal, ein halbes Jahr später, kommt sogar ein eigenes Projekt dabei heraus. Ein Projekt zum aktuellen Thema habe ich zwar noch nicht im Kopf, aber ich hab zumindest gelernt, dass man nicht alles nur Schwarz oder Weiß zu sehen. Zumindest bei dem Thema Glaubwürdigkeit und Fake News.

Der Umgang mit Fake

Swanson hat uns anhand von Best- bis Nicht-ganz-Best-Practice-Beispielen gezeigt, wie Faktenchecks (hier in Form von Videos) aufgebaut werden sollen. Dabei gilt: Nicht versuchen, die ganze Welt zu erklären (oder richtigzustellen), sondern einen kleinen überschaubaren Teil – und dabei die Fake News nicht zu viel Beachtung (bzw. Sendezeit) geben. Rojkov ermöglichte uns eine Skypekonferenz mit einer dpa-Journalistin in New York. Diese erzählte uns, wie die Reaktion zu Trumps Wahlsieg war und wie sich der Journalismus in den vergangenen sieben Monaten seiner Amtszeit verändert hat. Allesamt: Hochspannend!

Geliebt habe ich natürlich die ganzen Diskussionen. Auch wenn das Thema für die kommenden Anifer Journalismustage noch nicht feststeht – am liebsten würde ich mich jetzt schon wieder bewerben. Weil unter mehr als einem Dutzend Gleichgesinnter zu sein, die auch wirklich Lust drauf haben, drei Tage über Medien zu reden, viel zu essen und auch zu trinken und Spaß zu haben – das ist wirklich wunderbar und hab ich leider viel zu selten.

https://twitter.com/dmnkltnr/status/889137016318906371

Links und Empfehlungen:

Transparenz:

Die Anifer Journalismustage werden seit vier Jahren vom Journalismus-Institut der FHWien (der WKW) veranstaltet. Die umfangreichen Rahmenbedingungen finanziert dabei JTI (Japan Tobacco International): Zwei Nächte in einem Vier-Sterne-Hotel mit Rundumversorgung und Eintritt zur Jedermann-Premiere werden dabei vom Tabakunternehmen übernommen, die Teilnehmer tragen einen Selbstbehalt von 100 Euro. Ich habe in diesem Jahr freiwillig auf die Jedermann-Karte verzichtet. Einfluss auf die Workshops hat JTI hingegen natürlich nicht. Einfluss auf mich ebenfalls (immer noch) nicht: Ich bin Raucher, sehe es als Suchtmittel und finde, dass das Rauchen noch viel stärker reguliert gehört.

Das Assessment

Ein kurzer Nachbericht aus dem Assessment Center an der FH Wien.

Alle Beiträge zur Aufnahme an der FH Wien.

Das Video

Gewusst habe ich es schon lange, dass die BewerberInnen des Masterstudiengangs „Journalismus und Neue Medien“ ein Video drehen müssten, sozusagen anstelle eines Motivationsschreibens. In der Mail, die man nach der Auswahl des Assessment-Termines erhalten hatte, gab es dann alle Infos: 45 bis maximal 75 Sekunden lang, mit Vorstellung der eigenen Person und einer Erklärung, warum man sich für Journalismus und für den Studiengang interessiert. Hört sich vielleicht jetzt gar nicht so schwer an, aber die größte Hürde waren für mich wirklich die 75 Sekunden.

Gedreht habe ich mit meinem iPad direkt vor dem Gebäude der FH Wien. Drei, vier oder zehn Takes hat es gebraucht, bis ein wirklich herzeigbares Video draus geworden ist. (Hineingezwängt in 74 Sekunden). Vielleicht stelle ich es sogar einmal online und zeige es euch.

Mein Problem war aber die Akustik. Ich habe den Umgebungssound durch Straße und U-Bahn etwas unterschätzt und mir gedacht, dass man das leicht irgendwie rausretuschieren kann. So leicht ging es dann nicht, aber das finale Video war dann, meiner Meinung nach, akustisch passabel und ansonsten wunderbar.

Das Assessment

Ich hatte nicht wirklich eine Vorstellung, was am 13. Juni 2014 passieren würde. In der Mail wurde das Schreiben eines Kommentars und ein Hearing angekündigt, als Uhrzeit 7.30 bis 18.30 Uhr. Deshalb malte ich mir in meiner Vorstellung schon Völkerballspiele vor („Der Letzte am Feld bekommt einen Fixplatz!). Aber schlussendlich war es wirklich nur das Angekündigte.

Um 7.30 Uhr musste man sich zuerst einmal mit einem Lichtbildausweis identifizieren und den Datenträger mit dem Video abgeben (ich empfehle CD oder DVD, da die Datenträger mind. 1 Jahr archiviert werden und der USB vielleicht wichtiger ist als ein CD-Rohling). Danach eine kurze Erklärung.

Der Kommentar

Um 8.50 Uhr dann das Kommentarschreiben: In einem EDV-Raum mussten wir uns ein Thema aussuchen und ohne Internet einen 2.500-Zeichen (inkl. Leerzeichen) langen Kommentar schreiben. Die Themen bei uns waren, sinngemäß: 1) EU: Sanktionen gegen Russland wegen Ukraine, 2) Steuerreform (oder Sparpaket?) in Ö oder 3) Bezahlschranken im Netz. Lustigerweise haben alle, mit denen ich im Nachhinein gesprochen habe, das erste Thema genommen. Ich habe mich für Thema Nummer 3 entschieden, weil ich mich ja auch schon länger damit beschäftige und da gut argumentieren konnte.

Das Hearing

Danach hieß es warten: Um 12 dann der Beginn des Hearings. In einer Fünfergruppe, in die wir schon am Morgen eingeteilt wurden und in der wir auch während der längeren Pause meist verblieben und uns interessiert austauschten, saßen wir dem Studiengangsleiter Nikolaus Koller und den beiden Journalistinnen Simone Stribl (Zeit im Bild, Innenpolitik) und Barbara Toth (FALTER) gegenüber. Dieses einstündige Hearing gliederte sich in eine Vorstellungsrunde von allen, in ein Rollenspiel (jeder bekam ein Ressort und ein Thema zugeteilt und musste in einer imaginären Redaktionssitzung darum kämpfen, dass sein Thema groß auf der Themen-Doppelseite landet) und eine Selbstreflexion zu eben diesem Rollenspiel.

Natürlich war ich vor dem Hearing schon etwas aufgeregt – Kommentare schreiben mache ich ja eh recht häufig, aber sich einerseits selbst zu präsentieren, dabei aber nicht in Schauspielerei zu verfallen, sich nicht zu inszenieren, sondern seine Meinung zu vertreten (und vor allem vorher eine Meinung zu haben) und ehrlich zu sein: Das lässt den Puls schon mal schneller werden.

Im Nachhinein war das Hearing aber recht entspannt: Also nichts, was einem schon vorab schlaflose Nächte bereiten muss. Wenn man informiert ist, sich mit dem Thema Journalismus und seinem eigenen Herzensthema auskennt und auch noch gerne spricht, dann ist das Hearing wirklich spannend und aufregend, in einem sehr positiven Sinne.

Das Warten

Jetzt habe ich alles gemacht, was ich in meiner Situation machen konnte: Angefangen vom Abschicken der Bewerbung im Januar, dem Ablegen des EDV-Tests im Mai, dem Erstellen des Videos bis hin zum Erscheinen beim Assessment. Jetzt entscheidet die FH Wien der WKW.

Wir bekommen die Benachrichtung am 30. Juni. Und da an diesem Tag alle BewerberInnen für alle Studiengänge an der FH eine Benachrichtigung über Aufnahme oder Absage erhalten, kann die Nachricht, so wurde uns gesagt, bereits am Morgen oder auch erst um 23.55 Uhr kommen. Und um mir die Zeit bis zur Entscheidung zu vertreiben, treibe ich ein größeres Projekt auf Neon|Wilderness voran, plane ein, zwei größere Projekte für neuwal und schreibe Beiträge wie diese. 6 Tage (von anfänglich 17) sind eine verdammt lange Zeit.