Warum ich jetzt in Wien wohne, obwohl St. Pölten ja bekanntlich St. Pölten ist

Sagen wir es mal so: Wahrscheinlich werden mich die NÖN und das St. Pöltner Bezirksblatt als Persona non grata bezeichnen, aber seit heute bin ich offizieller Mieter einer Wohnung im 14. Wiener Gemeindebezirk. Und das knapp neun Monate nachdem ich St. Pölten eine virale Liebeserklärung gemacht habe. Der erneute Versuch einer Erklärung.

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Die Sache mit fisch+fleisch, Ewald Stadler, Pegida und der Objektivität

Ich habe vergangenes Wochenende damit verbracht, eine Meinungsplattform zu kritisieren, dafür den Spitznamen Frusthansl zu bekommen, um schließlich die Möglichkeit zu bekommen, meine Kritik ausführlich zu benennen. So ganz glücklich bin ich damit aber nicht. Inklusive einem Update.

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10 Dinge, die ich gerne in der Schule gelernt hätte (und 10, die ich umsonst gelernt hab)

Der Tweet einer fast achtzehnjährigen Schülerin brach eine „Bildungsdebatte“ vom Zaun. Beziehungsweise freuten sich die Medien im kompletten deutschsprachigen Raum (!), mal wieder kollektiv über einen einzigen Tweet (!) zu schreiben. Als Mensch, der im Jahr 2007 seine Matura hinter sich gebracht hat und jetzt schon mal etwas im richtigen Leben vorfühlen konnte, kann ich euch nun sagen, was man in der Schule nicht lernt. Obwohl man ja bekanntlich nie für die Schule lernt, sondern immer fürs Leben.

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Warum ich in St. Pölten wohne, obwohl St. Pölten ja St. Pölten ist

Sagen wir es mal so: Mein aktueller Lebensmittelpunkt sorgt regelmäßig für Unverständnis. Der Versuch einer Erklärung.

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10 Gründe, warum sich der Onlinejournalismus in eine Sackgasse manövriert

Der 7. Grund wird dir die Tränen in die Augen treiben!

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… to change your life forever

„Haben sie schon einmal unabsichtlich begonnen, einen Lebensratgeber zu lesen? Nein?! Dann wird dieser Artikel ihr Leben für immer verändern!“

Auf der Suche nach einem günstigen eBook für die Sommertage und lange Zugfahrten stolperte ich vor wenigen Tagen über „The Inside-Out Revolution“ von Michael Neill (laut Buchcover: ein „bestselling author“) … und all das um nur 1,88 Euro. Was kann man da denn schon falsch machen?

Ein Fehler war es, mit dem Lesen zu beginnen. Eigentlich hätte ich mich schon der Untertitel des Werkes abschrecken sollen – doch ich habe ihn erst nach ein paar Seiten des Reinlesens erblickt: „The Only Thing You Need to Know to Change Your Life Forever“. Das soll es also sein, das große Selbstheilungsbuch, nach dem nichts mehr so wie vorher sein wird. Natürlich war ich überrascht, weil ich noch nie von einem solchen Buch gehört habe, und war zudem gespannt, wie und wodurch sich mein Leben nun für immer verändern würde.

Das Werk, ich las es in Englisch, war grundsätzlich leichte Lektüre, aber nach den ersten paar Seiten war die Utopie verschwunden, dass ich mir hier eine nette populärwissenschaftliche Lektüre wie z.B. „Thinking Fast and Slow“ von Daniel Kahneman zugelegt hatte. Das hatte nichts mit populärwissenschaftlich zu tun, sondern war eindeutig pseudowissenschaftlich und esoterisch. Doch zu lesen konnte ich natürlich nicht mehr aufhören. Mit einem Umfang von 136 Seiten verlor ich zumindest nicht viel Lebenszeit und schon nach kurzer Zeit war für mir auch klar, dass hier ganz einfach ein Blogbeitrag resultieren musste.

Der Supercoach Michl

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Sektenführer Neill, prächtig erleuchtet (von innen nach außen, natürlich!)

Auf seiner Website supercoach.com (!) findet man Neills gesammeltes Wissen, all seine Erfahrung, als Coach von Celebrities und CEOs, alle Infos zu seinen Büchern, seiner Radioshow und seinem Auftritt bei einer TEDx-Veranstaltung. Ich bin ja der Meinung, dass TED („Ideas worth spreading“) aufhören sollte, ihren großartigen Namen an dubiose TEDx-Events zu vergeben. Denn schon 2010, bei ersten TEDxVienna, ich saß im Publikum, hüpfte der österreichische NLP-Fritze Roman Braun auf die Bühne, sprach über die „Non-Trivial Side of Happiness“, riss mich mit, nur damit ich mich Minuten später darüber ärgern musste, von dieser Form von Gehirnwäschen nicht komplett gefeit zu sein. Und so schafft es auch Neill schon nach kurzer Zeit das zu sagen, was man gerne hören will.

Es liest sich – wie schon zuvor angesprochen – locker, nur wenige Wörter müssen übersetzt werden und große Gedankenverbiegungen sind glücklicherweise auch nicht notwendig. Glücklicherweise vor allem für den Autor, denn nur ein paar Überlegungen mehr und man erkennt, dass sein Lebensveränderungsbuch ein Nicht-Ratgeber ist. Da sind selbst die „Fuck it!“-Bücher von John C. Parkin gehaltvoller (Quintessenz: Du bist vollkommen irrelevant, mach was draus!) – wobei auch da die Leute wie verrückt auf Fuck-it-Camps fahren, um sich in einer Gruppe Gleichgesinnter irrelevant zu fühlen.

Vielleicht sollte ich noch erklären, dass ich kein grundsätzliches Problem mit Coaching habe. Problematisch wird es erst, wenn sich Coaches zu Gurus hochstilisieren, eine Lösung für alles gefunden zu haben (Neill z.B. meint, dass nach dem Erfolgen einer „Inside-Out Revolution“ die Welt kriegfrei sein würde! Auf mit einer gesamten Auflage nach Israel und in den Gaza-Streifen!). Dann bekommt das Ganze nämlich etwas furchtbar Sektenartiges. So wie damals, als ich 10 Einheiten Yoga nahm, die Anstrengung und Entspannung wirklich genoss, mich aber stets dagegen verwehrte, in diesem dubiose Gemeinschaftsgefühl aufzugehen. Als ich schließlich sogar auf eine Veranstaltung ihres Gurus (namens „Hans“) mitging, blieb mir nichts anderes als Flucht vor diesem Wahnsinn.

Die Quintessenz: Fuck it, nur ohne Vulgärausdrucke

Michael Neill hat seine Weisheiten in Wahrheiten ja nur kopiert. Das gibt er auch offen und ehrlich zu, aber er sieht sich wohl auch als Einziger dazu im Stande, ein Buch darüber zu schreiben. Der wahre Erfinder der Selbstheilung ist bzw. war Sydney Banks. Auf ihn gehen ja (bekanntlich!?) die drei Prinzipien zurück, auf der die ganze Welt aufbaut. Wahrhaftig, es ist so, ich sage es euch! Alles (Ich preise euch: ALLES!) geht auf diese drei Prinzipien zurück: nämlich „The Three Principles of Mind, Consciousness and Thought“. Worauf er aber nach 136 Seiten schlussendlich kommt? Dass man, wenn es mal zuviel ist, einen Schritt zurückgehen muss. Dass man, wenn man sich viele Gedanken macht, sich nicht zu viele Gedanken machen sollte. Und natürlich, dass man vollkommen irrelevant ist, und das ja grundsätzlich etwas sehr Positives ist. Verstanden?

Ich will jetzt nicht sagen, dass das Buch vollkommener Mist ist. In vielem hat er natürlich Recht, weniger Gedanken sind oftmals wirklich gut, etwas Abstand ist nie schlecht, aber dem Versprechen, dass das Buch mein Leben für immer verändern wird, kam es noch nicht nach. Zugegeben: Auch Neill sagt, dass man zwar alles in diesem Buch vergessen könnte, aber die über allem liegende Weisheit hätten ich mit der Lektüre nun aufgesogen und irgendwann speit mein Unterbewusstsein es aus und ich werde erleuchtet sein.

Deshalb ist das Buch auch ein Nicht-Ratgeber. Liest man es und reflektiert darüber, hat das Buch keine Wirkung. Schaltet man das Denken aus, fängt aber die Gehirnwäsche an zu wirken und das Leben wird aufblühen, die Transformation wird alles verändern und die Welt, ja, die Welt, wird dann ein schönerer Ort sein. Eh schon wissen.

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Lieber Sekt statt Sekte

„A space where miracles happen“ bescreibt Neill seine Website, sozusagen das digitale Gotteshaus für die Anhänger der Inside-Out-Revolution. Ich bezweifle nicht, dass das Buch eine Wirkung haben kann, dass es einem dabei hilft, vielleicht mit ein paar Dingen besser klar zu werden, weil man sich zu mehr Abstand und weniger Gedanken zwingt. Aber die Guru-Worte nerven spätestens nach Seite 10. Und ich bin froh darüber, nur 1,88 Euro für dieses Werk ausgegeben zu haben. (Aber war ich ja schon vorher in diesem perfekten Stadium des menschlichen Lebens, von der Neill immer wieder spricht: habe vergessen überhaupt nachzudenken und war somit vollkommen rein an Urteilsvermögen. Es wirkt also! ES WIRKT!)

Und für alle, die den Kopf mal wieder ein bisschen frei bekommen können, empfehle ich ein paar Gläser Sekt. Der macht einen schnell schwummrig, die Gedanken werden freier und die Welt verändert sich definitiv nach der ersten Flasche. (Aber nicht zu häufig probieren, okay?)

„Und, was machst du so?“

Darüber zu schreiben ist einfach, darüber zu sprechen hingegen nicht. Dabei geht es ja eh nur um meine Gegenwart und meine Zukunft.

Es war ein lockeres Gespräch, in dem plötzlich angesprochen wurde, dass ich ja einen Blog hätte. Freunde von Freunden zeigten sich interessiert und mir fiel in diesem Moment nichts schwerer als darüber zu sprechen. Über das, was ich mache, womit ich mir meine Brötchen verdiene oder verdienen möchte und wie man das eben so nennt.

Jetzt, vor meinem Computer, ist all das kein Problem: Ich studiere ab Herbst „Journalismus und Neue Medien“ an der FH Wien, ich bin Journalist bei neuwal.com (und publizier(t)e in anderen Online- und Printmedien) und Autor, wofür ich eben meinen Blog benutze. Das wäre es, nicht mehr (wobei man eben neuwal.com noch näher erklären könnte oder Volle Distanz. Näher zu dir) und nicht weniger. Und doch komme ich mir komisch dabei vor.

Vielleicht, weil außer der Berufsbezeichnung „Student“ nichts wirklich nachweisbar ist. Wenn jemand eine Lehre zum KFZ-Mechaniker abgeschlossen hat, ist er KFZ-Mechaniker, wenn jemand eine Ausbildung zum Marketing-Fuzzi hinter sich hat, darf er sich offiziell Marketing-Fuzzi nennen. Aber Journalist und Autor, das sind beides Begrifflichkeiten, die man sich z.T. selber überstülpen kann. Und auch will. Weil eben die Arbeit, die ich für neuwal.com mache nicht mehr dieses nette Nebenbei-Bloggen ist, sondern ich unzählige Stunden in Recherche stecke, um einen umfassenden, informativen Beitrag zu schmieden. Also: JA! Verdammt! Ich bin ein Journalist. Nicht bei einem Printmedium angestellt, nicht als freier Journalist rotierend zwischen unzähligen Medien. Sondern eben bei neuwal.com, dem einen Onlinemagazin, an dem ich mein Herz verloren habe, dass mir so unglaublich viel Spaß macht, in welchem ich meine Leidenschaft ausleben kann.

Ich habe bisher zwei Bücher geschrieben. the places you have come to fear the most und natürlich Volle Distanz. Näher zu dir. War das erste Buch (2007) noch vollgepackt mit dem Weltschmerz, welcher die späte Pubertät damals eben so mit sich brachte, soll es das Zweite (2013) nun eben werden: Mein offizielles Erstlingswerk. Und seit fast zehn Jahren veröffentliche ich meine Texte hier in diesem Internet, bekomme Lob, man erzählt mir, wie berührend oder aufwühlend meine Texte seien. JA! Verdammt! Ich bin ein Autor. Vielleicht stellt man noch „bis jetzt noch unveröffentlichter“ vor die Bezeichnung, aber ja, ich bin ein Autor. Nicht umsonst findet man die Inhalte von meinem Literaturblog auch im Deutschen Literaturarchiv Marbach, wo ich jetzt sozusagen zwischen Kafka und Mann zu finden bin.

Unsichtbare Arbeit

Zurück zum Gespräch, das mir so schwer fiel: Meine Freundin hat mich angestupst und mich aufgefordert, es genauer zu erklären, was ich da eigentlich mache. Was meine Arbeit (ich wollte das Wort gerade eben ernsthaft wieder unter Anführungszeichen setzen!) ist. Wahrscheinlich weil sie es auch lange Zeit nicht wirklich verstanden hat, aber mit der Zeit gesehen hat, was ich so leiste.

Auch meine Mitbewohner hatten lange Zeit ein falsches Bild: Man sieht ständig meinen Input, aber wenn man es nicht direkt ansteuert nicht unbedingt einen Output. Das lässt die Arbeit unsichtbar erscheinen. Dass jene Freunde, die z.B. in sozialen Einrichtungen arbeiten, nach einem Tagdienst geschafft sind, ist verständlich. Dass der Nerd vorm PC nach einem harten Arbeitstag am Ende ist, ist hingegen maximal den bösen Strahlen und der Ermüdung der Augen geschuldet.

Aber jetzt wissen sie es: Ich bin nicht dieser Typ, der auf Facebook und Twitter aus der Realität verschwindet, sich sozusagen durch sein Second Life liked, sondern einer, der zwar immer mal wieder zu ihnen kommt mit den neuesten Fail-Videos oder Katzen-Bildern, aber eben das Internet als sein Instrument nutzt, darin arbeitet, darin etwas leistet. Und seither höre ich auch den Begriff „Nerd“ von ihnen viel lieber (auch wenn wahrscheinlich „Geek“ irgendwie besser passen würde).

Unverstandene Leistung

Das L-Wort habe ich in diesem Text bereits mehrfach benutzt. Anfangs unbewusst, aber jetzt soll es zum großen Thema werden: JA! Verdammt! Ich leiste etwas. Und dieses „JA! Verdammt!“ brülle ich in erster Linie mir selbst ins Gesicht. Weil auch ich es oft nicht wahrhaben will oder kann. Weil – und das ist jetzt nur eine recht schnelle Überlegung – ich mit diesen beiden Sachen meinen Träumen nachgehe. Weil ich das mache, was mir Spaß macht. Weil es sich eben oft nicht nach Arbeit anfühlt, obwohl sie das eindeutig ist.

Und auch ein literarischer Blog ist, so sehr er auch Hobby ist, Teil einer Strategie. Um sozusagen entdeckt zu werden, oder um neben dem einen Manuskript (das ich hoffentlich bald ausschicken werde) noch andere Referenzen zu haben. Genauso wie die unzähligen journalistischen Beiträge, Coverstories, Kommentare, Reportagen, die mir dabei helfen sollten, mir einen Namen zu machen. Ich arbeite seit Jahren, neben dem Studium und dem einen (einzigen) bezahlten Job so viele Stunden für Projekte, Hoffnungen und Ideen, komme da häufig auf meine 40 Stunden pro Woche, nicht selten auch darüber. Wovon 6 1/2 Stunden bezahlt sind. Ich leiste etwas und das weiß ich auch.

Warum es mir trotzdem so schwer fällt? Weil meine Bezeichnungen wie Wünsche daherkommen. Vielleicht auch, weil ich schon mit 13 Jahren eben diese Berufswünsche nannte, und sie jetzt immer noch unverändert (aber professioneller) sind. Weil man Journalist ja noch irgendwie lernen kann (zumindest laut meiner zukünftigen FH, ich denke: man braucht etwas ganz Bestimmtes für Journalismus, das man an keiner Uni oder FH lernen kann), aber es gibt keine Schriftstellerlehre. Weil das für Außenstehende eben oft so lange Wunschdenken ist, bis sie meinen Namen auf dem Cover eines Buches lesen können.

Und vielleicht auch, weil ich mich schon wieder selbst unter Druck setze: Weil das wahrscheinlich die letzten ein, zwei, drei Jahre sind, in denen ich mir all das leisten kann. Irgendwann muss das echte Geld kommen, das Konto voller werden, irgendwann muss die endgültige finanzielle Unabhängigkeit von den Eltern kommen (und im Anschluss ein großes Dankeschön für all die Geduld und Investitionen in meine Träume). Jetzt habe ich sozusagen noch die letzte Chance, meine Träume zu leben, alle Zeit der Welt zu investieren, um sie wahr werden zu lassen, bevor die Träume nur mehr einen geringen Platz bekommen können.

„Ich träume.“

Diese Antwort auf die Titelfrage entspricht zu einhundert Prozent der Wahrheit, aber kann man sie wirklich sagen? Unter „Träumer“ versteht man die realitätsfernen und eventuell eben auch faulen Menschen, die zu feig sind, sich dem Leben zu stellen. Und ja, ich habe eine Scheißangst vor diesem Leben, in welchem meine Träume nur mehr einen geringen Platz einnehmen können. Deswegen setze ich alles daran, deswegen verbringe ich Stunden vor dem Computer, höre die „Novel Inspiration“-Playlist auf Spotify oder sammle Literatur für einen großen Recherche-Artikel auf neuwal.com. Deswegen mache ich das Ganze. Um es noch rechtzeitig zu schaffen, bevor diese Chancen verflogen sind.

Die Worte meine Freundin haben mich zum Nachdenken angeregt. (Das schafft sie oft. Sehr oft.) Dafür bin ich unendlich dankbar und das bringt mich zu einer neuen Aufgabe, die ich mir stelle: Meine Arbeit, meine Leistungen müssen jetzt zuallererst einmal von mir wieder so richtig wertgeschätzt werden (so, wie sie – so habe ich das Gefühl – von meiner Freundin wertgeschätzt werden) – ich darf auch mal wieder stolz sein auf mich. Und dann klappt es wohl auch mit dem Darüber-Reden. (Weil schreiben kann er ja, der Bub.)

Bildquelle: Unsplash / Pixabay

Totengräber Online

Online ist der Totengräber von Print. Und von Online.

Onlineauftritte von Printmedien (nur selten nennt man sie – gleichberechtigt – Onlinemedien) haben ein Problem: Man verdient mit ihnen nicht so gut. Das sagen zumindest die Verleger, die darüber jammern, dass es bis heute noch notwendig ist, den Onlineauftritt zumindest durch einen Teil des Gewinnes durch die Printausgabe quersubventionieren muss. Und weil Online ja bekanntlich die Leute weg von Print lockt, wird Print ja – so sagen Printanalysten – qualvoll sterben.

Das ist aber nicht das Problem: Manche Medien kaufen sich andere Inhalte zum Onlineauftritt dazu, etwas, womit man wirklich Geld verdienen kann. Zugegeben, es ist nicht das beste Beispiel, weil sie mitunter den Ansprüchen, die man an eine Zeitung haben könnte, nicht entspricht, aber auf die Schnelle fällt mir dazu  vor allem Bild.de ein. Denn neben all dem Boulevard will man vor allem mit externem Content Geld verdienen. (Und natürlich mit der Paywall, die aber ein anderes Mal Thema sein wird.)

Bild.de hat sich z.B. die Bundesliga-Rechte gesichert und darf/kann 1h nach Abpfiff die Spiele online ausstrahlen. Außerdem besteht eine Verbindung zwischen watchever (einem deutschen „Netflix“-Verschnitt) und der Bild Zeitung: Wie der bildblog berichtet, hat man so auch eine nette Schleichwerbungskampagne gestartet um das Produkt (die Serie „Anger Management“) auf „Bild Movies“ bekannt zu machen. Was man daher definitiv nicht finden konnte: Eine kritische Betrachtung der eher mittelmäßigen Serie.

Dass die Bildzeitung nicht für den höchsten journalistischen Anspruch bekannt ist, weiß ich natürlich. Aber wenn – nur um den zugekauften Content unter die Leute zu bekommen und die Börse des Axel-Springer-Verlagsvorstands noch voller wird, jegliche journalistische Distanz verloren geht, ist das natürlich mehr als schlecht.

Auch wenn ich mich eventuell leicht aus dem Fenster lehne: alle werden überleben. Alle, die sich jetzt auf den Wandel bereit machen, und auch bereit sind, radikale Schritte zu setzen. Das kann bedeuten, dass die Printausgabe eine vollkommen neue Ausrichtung bekommt, nicht mehr zwanghaft tagesaktuell sein möchte und wenn möglich zugleich ein wenig globaler sowie lokaler zu werden. Oder dass man im Onlinebereich vom Geschwindigkeitswahn wegkommt, aufhört APA-Meldungen 1:1 zu übernehmen und stattdessen einzigartigen, guten Content schafft. Wenn das erledigt ist, kann man auch einmal ernsthaft über Paywalls diskutieren. Oder man überlegt sich neue Formen der Werbung (Banner sind so hip wie das Essen von Nasenmännern).

Das heißt: Ja, liebe Medien, erweitert ruhig euren Contentbereich durch den Zukauf beliebter Plattformen oder der Entwicklung neuer. Aber bitte wahrt stets die notwendige Distanz. Selbst wenn ihr dann eine eierlegende Wollmilchsau auf irgendeinem Server liegen habt, ist das kein Grund sich jede Form der Kritik zu ersparen.

Update 15:30 Uhr: Auf die Frage im Kommentar von Tom Schaffer, was das mit Medien zu tun hätte, die nicht Bild.de sind, ein kurzer Einwurf: Online und auch Print müssen – wie in den letzten beiden Absätzen erklärt, sich einmal an den Tisch setzen, überlegen, neu ordnen, innovativ werden und vor allem wieder eines: Mehr auf Qualität setzen. Dieser Begriff ist zwar sehr relativ, aber: Nur Content, der mir einen Mehrwert bietet, den ich nicht fast wortgleich in 10 anderen Onlinemedien finde, sondern der mit einer Extraportion Info gespickt ist, ist es mir wert zu lesen und auch – in weiterer Folge zu bezahlen. So kann Print existieren, so kann Online existieren. Bild.de hat hier nur als ein Beispiel fungiert, wie es auf gar keinem Fall sein sollte. Andere Medien, auch österreichische, sind zwar weniger schlimm, scheinen aber auch keine Idee zu haben, wie sie sich erfolgreich „erneuern“.

Überflüssige Informationen?

Journalismus könnte so viel besser, tut es aber nicht.

In meinem kleinen Blick in den Rückspiegel für den neuwal.com-Redaktionsjahresrückblick habe ich es bereits angesprochen: Die österreichischen Medien enttäuschten mich im vorangegangenen Jahr – immer mehr schrieb man nur mehr darüber, wer was wozu gesagt oder auch wer was nicht gesagt hat. Was fehlte, war die Information für den Leser: Um was geht es eigentlich? Welche Auswirkungen hätten diese und jene politischen Entscheidungen? Oftmals erschien es mir, dass es einfacher sei, den Streit abzubilden, als den Leser weiterzubilden. Das hat mich 2013 schon derart geärgert, dass es zum Storno eines langjährigen Abos führte und zum frischen Abonnemment jener Zeitung, die sich trotz allem am Besten entwickelt hat.

Wir bei neuwal.com sehen es als Aufgabe, etwas dahinter zu blicken und auch mein Ressort „Was ist …?“ zielt genau darauf ab, wo die klassischen Medien versagen: Über Themen aufzuklären, über die zwar viel gesagt wird, aber wenig gewusst.

Michael Thurm, bisher Journalist beim FAZIT, in Zukunft „Senior Project Manager“ bei der Schweizer Agentur Hofrat Suess, hat in seinem Abschieds- und Anfangsbeitrag in seinem Blog die richtigen Worte gefunden.

Ein posi­tiv infor­mie­ren­der Jour­na­lis­mus ist auch wei­testgehend über­flüs­sig gewor­den, weil Infor­ma­tio­nen über­flüs­sig sind. Weil jeder schon alles weiß, nicht wis­sen will oder glaubt zu wis­sen. Wiss­be­gie­rig­keit ist auf eine kleine leise Gruppe beschränkt, zu leise, um sich wich­tig zu neh­men (und damit rele­vant zu erschei­nen), zu klein, um öko­no­misch bedeu­tend zu sein.

Jetzt kann man natürlich sagen, dass dies eine sehr negative Ansicht sei. Ich finde mich zwar auch nur zu gut in diesen Worten, doch als naiver Optimist hoffe ich immer auf eine Besserung der Umstände.

Ich werde dran bleiben und hoffe auf eine neue Generation. Vielleicht findet all das dann nicht mehr im Print statt – vielleicht wird Online der richtige Platz dafür sein.